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Baiern versus Bayern.

Ein edles Volk braucht einen veredelten Landesnamen.


Dachte sich anno 1825 König Ludwig I. Der 25. Oktober sollte mehrfach Tag der Revolution sein. 1917 in Russland die Oktoberrevolution unter Lenin. 1825 in Bayern die Buchstabenrevolution unter Ludwig I. Das Ypsilon macht doch was her, ein Buchstaben-Upgrade quasi. Wie dem auch sei, wer die bayerische Sprache beherrscht, muss schlau sein. Aber wie mag sie wohl in den Ohren eines Preußen klingen?

Jeder König hatte seine Marotten. So auch Ludwig I. Er liebte Griechenland. Als sein Sohn Otto dann König von Griechenland wurde, war es für Ludwig I. Zeit, seine Affinität zum griechischen Buchstaben Y auszuleben und aus seinem „ordinären“ Königreich Baiern das „extraordinäre“ Bayern zu machen. Eine Augenweide, das Y… Ludwig I. hatte generell Sinn für Stilvolles. Brachte er diesen aus Frankreich mit, seinem Geburtsland? Oder von seinen vielen Reisen aus Italien? Jedenfalls verdanken die Bayern ihm nicht nur das schöne Ypsilon, sondern auch einiges an Kultur und meisterlichen Bauwerken. So ließ er nebst zahlreichen anderen die Alte Pinakothek errichten, die Walhalla und die Befreiungshalle.

Wie Altbaiern mit Neubaiern zu Bayern und dann zum Freistaat Bayern wurde.

Bayerns Geschichte ist lang und ereignisreich. Sie füllt ganze Bücher. Wir machen sie aus Platzgründen kurz und aus Verständnisgründen einfach. Unterhaltsam bleibt sie allemal und du kannst dir sicher sein, dass wir versuchen historisch korrekt zu bleiben, so wie jeder Historiker eben da wo es geht und so gut wie es geht. Spaß.

Baiern mit i von 551 bis 1825.

Baiern, dessen früheste schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 551 stammt, ging aus verschiedenen Völkerschaften hervor: Romanen, Alamannen, Ostgoten, Franken, Langobarden, Thüringern, Nordgermanen und Südböhmen. Das heutige bayerische Staatsgebiet entstand erst zwischen 1803 und 1815. In dieser Zeit gesellten sich die neubayerischen Gebiete zu den altbayerischen Gebieten. Zu Altbayern zählen Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz. Zu Neubayern das nordwestliche Franken und das südwestliche Schwaben. Dort im Westen das neue, hier im Osten das alte Bayern also. Man merkt dies auch deutlich an der Sprache, der Mentalität und der Religion. Fränkisch und Schwäbisch dort. Bayerisch hier. Heiterkeit und Sparsamkeit dort. Grantelhuberei und Gemütlichkeit hier. Überwiegend evangelisch dort. Überwiegend katholisch hier. Und andersrum und natürlich jeder wie er mag.

Bayern mit y ab 1825. Freistatt Bayern ab 1918.

Bis zum Jahr 1825 schrieb man Bayern mittig mit i statt mit y. Wie du oben gelernt hast, entsprang die orthografische Revolution dem Esprit des Königs Ludwig I. beziehungsweise dessen Liebe zu Griechenland und insbesondere zum griechischen Buchstaben Y. Seit 1825 nennt sich Baiern also Bayern mit Ypsilon. Und nur knapp 100 Jahre später wurde aus Bayern dann endgültig der heutige Freistaat Bayern. Zuvor war Bayern entweder Herzogtum oder Kurfürstentum oder Königreich. 1918, am 7. November, rief Kurt Eisner, sozialistischer Revolutionär, Politiker und Schriftsteller, den Freistaat Bayern aus und wurde zum ersten Ministerpräsidenten desselben ernannt. Hinweg war die Monarchie. Eingeläutet war die Demokratie.

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