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Der Bayer und seine besondere Beziehung zu Bier und Biergarten.

Bayern ist bekannt für seine Biergärten.

Auf der bayerischen Bierbank

Zwar kann man es sich auf der ganzen Welt in Straßencafés unter freiem Himmel kulinarisch gut gehen lassen. Nirgends aber in einer so besonderen Art wie in einem bayerischen Biergarten. Der Bayer hat schon eine auffällig innige Beziehung zum Bier und zum Bierkonsum. Es ist nicht so, dass alle anderen kein Bier trinken würden. Im Gegenteil. Im Durchschnitt trinkt auch der nicht bayerische Deutsche eine stolze Menge von über 100 Litern im Jahr. In so manchem Ausland trinkt man sogar noch mehr als in Deutschland. In Tschechien zum Beispiel. Und – man höre und staune – in Namibia.

Doch der Bayer hat einen bemerkenswerten Kult ums Biertrinken herum entwickelt. Nicht nur, dass er das Bier inhaltsstofflich rein und natürlich gemacht hat. Nein, er trinkt es auch bevorzugt in gesunder Umgebung, nämlich am Biertisch unter Kastanienbäumen, und er trinkt es aus dem Maßkrug. Er schüttet es jedoch nicht einfach so in sich hinein, ohne dem Alkohol eine abschwächende Unterlage im Magen zu verschaffen – gerne in Form einer Brezn. Vielleicht ist das der Grund, warum der Bayer sich seine berühmte Gemütlichkeit nicht hat nehmen lassen. Eine ganze Maß trinken braucht seine Zeit. Ein bisserl was essen dazu, ein bisserl ratschen dazu oder – noch lieber – granteln. Dann ist der Bayer entspannt und zufrieden.

Das bayerische Bier.

Das Reinheitsgebot für deutsches Bier kommt aus nämlich Bayern. Am 23. April 1516 erließen die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt das Bayerische Reinheitsgebot. Hinein durften ab sofort nur Wasser, Rohgerste und Hopfen. Später war es statt Rohgerste dann das Malz der Gerste und noch etwas später auch das Malz anderer Getreidesorten. Im 19. Jahrhundert kam dann die Hefe dazu, die kannte man im 16. Jahrhundert noch nicht. Dieses Reinheitsgebot greift bis heute in Deutschland. In Bayern wird es nach wie vor ausnahmslos streng eingehalten. Seine besondere Beziehungen drückt der Bayer auch gerne mit liebkosenden Sprüchen wie „Bier ist flüssiges Brot“ oder „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“. Im restlichen Deutschland könnte mitunter schon mal Zucker oder Zuckerkulör enthalten sein. Aber ansonsten auch nix.

Der bayerische Biergarten.

Bayern hat nicht nur das Reinheitsgebot für Bier erlassen. Sondern obendrauf eine spezielle Biergartenverordnung. Zunächst erlaubte der bayerische König Max I. Josef am 4. Januar 1812 per Reskript, dass Brauereien ihr Bier am Ort der Herstellung, direkt aus ihrem Bierkeller heraus, ausschenken dürfen. Mit der später, genauer am 1. Mai 1999, in Kraft getretenen Biergartenverordnung wurde dann einiges dazu geregelt. Neben der Öffnungszeiten und Lärmschutzbelange, das, was den bayerischen Biergarten ausmacht, das Idealbild des Biergartens, das große Bäume zum Sitzen im schützenden Schatten beschreibt. Nämlich die Möglichkeit, auch mitgebrachte, also eigene Brotzeit unentgeltlich verzehren zu dürfen. Letzteres unterscheidet ihn ganz klar von sonstigen Außengaststätten.

Der bayerische Biertisch. Blankes Holz für den Mann. Tischdecke für die Frau.


Der Bayer ist nach wie vor ein eher geselliger und gemütlicher Mensch. Auch wenn es im modernen Alltag selbst in Bayern natürlich Stress gibt – im echten bayerischen Biergarten gibt es Ausgleich. Grüne Natur, in der Ruhe einkehren kann. Und vor allem einen langen Tisch, an dem der Bayer nicht lange alleine sitzen bleibt. Schnell findet sich da ein Bank- und Tischnachbar, mit dem er über den Stress granteln kann. Vielleicht hierfür ist der Biertisch extra lang gemacht worden. Er passt auch zum natürlichen Kastanienbaumflair.

Denn echt bayerisch ist er aus Holz. Kurzeitig probierte es der modernere Wirt mal mit Plastiktischen. Aber diese wurden schnell wieder verbannt. Der bayerische Holztisch darf jedoch hübsch eingedeckt werden. Ist die Frau dabei oder die ganze Familie, kommt einfach die mitgebrachte Tischdecke drauf, samt hübschem Geschirr und Essen aus dem üppig gefüllten Picknickkorb. In Bayern soll Erholung für alle möglich sein. Am Gardasee muss man da schon gut und gerne mal ein paar Euros hinblättern, nur um ein Gedeck zu bekommen. Wie soll da das Bier so schmecken wie im bayerischen Biergarten? Einzig obligatorisch im Biergarten ist der Ein-Liter-Maßkrug. Allenfalls ein gepflegtes bayerisches Weißbier gibt es im speziellen Weißbierglas, das „nur“ einen halben Liter hergibt. Solltest du Bier im Reagenzglas bekommen, befindest du dich niemals nie in einem echten Biergarten! Im einem solchen wirst du übrigens auch nicht bedient. Selbstbedienung ist angesagt.

Bayer, Bier, Biergarten, Biertisch. Da fehlt nur noch die Brezn.

Wie Bier wird auch die Brezn nicht nur in Bayern konsumiert. Doch in Bayern, insbesondere in München, ist sie überhaupt nicht wegzudenken. Der Bayer liebt seine Brezn. Man beachte die Rechtschreibung. Brezn. Nenn niemals die bayerische Brezn hochdeutsch Bretze oder gar Bretzel. In Bayern, vor allem für die Biergärten, wird die Brezn nach wie vor althergebracht hergestellt. Sie ist inhaltsstofflich so rein wie das Bier. Nur Wasser, Weizenmehl, Hefe, Malz, Margarine und Salz darf rein, und sie muss vor dem Backen in eine Natronlauge.

Fürs größte Oktoberfest der Welt in München und für die alten traditionellen Münchner Biergärten wird die Brezn auch noch extra dimensioniert und etwa dreimal so schwer hergestellt. Gute 45 Zentimeter misst und 250 Gramm wiegt sie. Der Bayer hat ein Faible für Großes und die Muckis – zum Brezen reißen und Maßkrug stemmen. Nicht fehlen darf in einem echten Biergarten schließlich der Radi (Rettich), der Obazde (zerdrückter Weichkäse mit Zwiebel und Gewürzen) und – vor zwölf Uhr – die Weißwurst zum Zuzeln. Zuzeln? Ja, der Bayer schneidet seine Weißwurst nicht, sondern saugt sie quasi aus der Haut.

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