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Bräuche und Sitten im Advent.

Manche alten Traditionen werden in Bayern immer noch aufrecht erhalten

Bräuche im Advent

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, das Wetter kälter und die Getränke wärmer. Der Winter naht und mehr als alles andere verbinden wir den Beginn der kalten Jahreszeit mit Weihnachten. Nun ist Weihnachten aber viel mehr als nur ein Tag in der christlichen Religion, der die Geburt von Jesus Christus feiert.

Und über die auf Heilig Abend – also den 24. Dezember – folgenden Weihnachtsfeiertage hinaus gibt es in der Vorweihnachtszeit in unserem Bayern viele Traditionen, Bräuche und Sitten, die es so nur bei uns gibt.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

Brennende Kerze

Schon bevor wir den ersten Advent vorüberziehen lassen, muss der Adventskranz gebunden sein. Und wie muss der klassisch bestückt werden? Richtig, wer noch auf Oma gehört hat, der weiß, drei violette Kerzen und eine rosa Kerze gehören auf den Kranz. Und das hat einen Grund.

Früher war die Zeit im Advent eine religiöse Bußzeit, also eine weniger heimelige gemeinschaftliche Zeit, als die Vorweihnachtszeit von heute ist. Die rosa Kerze ist die, die am dritten Advent angezündet wird. Sie kündigt damit feierlich den bevorstehenden vierten Advent und damit das baldige Ende der Bußzeit an. Dieser Tag wird im katholischen Glauben auch Gaudete, aus dem Lateinischen „Freut euch“, genannt.

Das Paradeisel

Neben dem Adventskranz gibt es vor allem in Südbayern und Tirol noch ein anderes, nun ja, nennen wir es Adventsgesteck, dessen Ursprung nicht ohne Fragezeichen beantwortet werden kann. Ein Brauch jedoch, der oft als der Vorläufer zum heutigen Adventskranz bezeichnet wird und immer weniger weit verbreitet ist.

Ein Paradeisel ist kein aus Tannenzweigen gebundener Kranz. Die Grundstruktur bildet ein Dreieck aus drei Äpfeln, in das sechs Holzstecken, die früher prächtig, durch Schnitzereien verziert waren, gesteckt werden. Drei als Bodenkonstruktion und wiederum drei Holzstöcke, die von oben in die Äpfel gesteckt werden und alle in demselben Apfel an deren Enden zusammenlaufen. Auf jedem Apfel dieser pyramidenförmigen Weihnachtsdekoration mit Geschichte befindet sich eine Kerze. Paradeisel können ebenso mit Tannenzweigen, Nüssen oder Weihnachtsgebäck verziert werden.

Der Barbarazweige.

Barbarazweige

Zurück zum Anfang des Advents, der Zeit vor dem Weihnachtsfest, abgeleitet vom lateinischen „Adventus“, der Ankunft. Und der vierte Dezember ist der Tag eines alten Brauchtums. Er ist der heiligen Barbara gewidmet. Sie soll, der Geschichte des Brauchs nach, mit ihren Kleidern an einem Zweig hängengeblieben sein, als sie ins Gefängnis geführt wurde.

Der Zweig brach ab und die heilige Barbara legte ihn in Wasser. Wie ein Zeichen soll er am Tage ihres Martyriums aufgeblüht sein. Am Barbara-Tag wird ein Zweig eines Obstbaums oder einer anderen blühenden Pflanze in ein Glas Wasser gestellt. Er soll bis Weihnachten aufblühen und so Glück für das kommende Jahr vorhersagen.

Der Kramperl.

Weiter geht’s. Der Nikolaus… Moment. Bevor der kommt, kommen die Ganggerl, oder auch Kramperl genannt, die Buttnmandl wie man im Berchtesgadener Land sagt. Das ist am fünften Dezember. Und wer diesen Brauch einmal kennen gelernt hat, vergisst ihn auch nicht mehr. Rußgeschwärzt mit wahrlich furchteinflößenden Kostümen und teilweise maskiert ziehen die Kramperl an diesem Winterabend umher. Rasselnd, scheppernd und mit Ruten bewaffnet.

Sie sind auf der Suche nach unanständigen Menschen und halten die wohlgesitteten Bürger an, sich nicht von ihrem Weg der Tugend abzuwenden. Wagemutige Kinder können sich diesen Kreaturen stellen, sofern sie brav waren. Alternativ und weniger Angst einflößend ist die Bedeutung der Kramperl oder auch Perchten genannt, wenn sie nur den Winter frühzeitig vertreiben sollen. Visuell beeindruckend sind sie allemal.

Da Nikolo bum, bum.

So, jetzt aber zum Nikolaus. Der Brauch um den heiligen Nikolaus von Myra ist tief verwurzelt in der bayerischen Tradition. Und Obacht, es ist nicht vom Weihnachtsmann die Rede. Am sechsten Dezember wird der heilige Nikolaus geehrt.

Zelebriert wird der Nikolaus auf ganz unterschiedliche Art und Weisen und viele der Bräuche haben ursprünglich etwas mit der Perikopenordnung der Kirche zu tun. Der Nikolaus geht von Haus zu Haus und beschenkt Kinder nachdem er sie gefragt hat, ob sie denn auch brav und fromm gewesen waren im vergangenen Jahr. Sein Gehilfe Knecht Ruprecht – in Bayern, der Kramperl – ist auch dabei und droht den Kindern mit der Rute, wenn sie nicht ganz so brav waren. Dieser Art des Nikolausbrauchs geht auf das Gleichnis der anvertrauten Talenten Mt 25,14–30 EU zurück wohingegen das Befüllen der Stiefel am Vorabend des 6. Dezembers auf der Legende von den drei Jungfrauen basiert, die in der Nacht vom Nikolaus beschenkt wurden.

Die Rauhnächte.

Kurz vor Weihnachten, also bevor es ernst wird um das Christkind und die Geschenke, gibt es nochmal eine rauhe Nacht. Passend wird sie Rauhnacht genannt. Davon gibt es mehrere in der Zeit zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar, aber wenden wir uns als Exempel der ersten Nacht vom 21. Dezember zu.

In der sogenannten Thomasnacht werden in Bayern Räucherrituale vollzogen, die von den vorher schon erwähnten Perchten begleitet werden. Allerdings soll hier nun den Winterdämonen Angst eingejagt werden, auf dass das kommende Jahr glücklich und fruchtbar sein möge.

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