Veröffentlicht am

Der Grantler.

Ein echtes Urgestein, das es in gewisser Weise nur in Bayern gibt.

Der Grantler gehört zu Bayern wie das Amen in der Kirche. Sein Grant ist hier allein sprachlich schon so originell wie sonst nirgendwo. Beim Granteln spielt der Dialekt eine wichtige Rolle und im Allgemeinen ist der Dialekt natürlich etwas Individuelles. Je nach Dialektausprägung können einzelne Begriffe kleine bis gravierende Unterschiede bei der Aussprache und Betonung aufweisen. Die sind abhängig von Region und Örtlichkeit, auch können bestimmte Worte im nächsten Dorf schon abweichend ausgesprochen werden als im eigenen. Grantler, ein Begriff jedenfalls, den es so tatsächlich nur in Bayern gibt, worauf wir auch ein wenig stolz sind. Typen, die dem bayerischen Grantler ähneln, bisweilen sogar sehr, gibt es in anderen Teilen des Landes durchaus auch. Aber bei genauerer Betrachtung gibt es den echten Grantler tatsächlich nur in Bayern.

Was macht den Grantler denn nun eigentlich aus? Um die Spezifikation des Begriffes an sich hat sich durchaus so etwas wie eine kleine Wissenschaft gebildet, die erklären soll, welche Eigenschaften und Eigenarten zum Grantler gehören und welche eindeutig nicht. Grantig sein können wir alle mal, jeder kennt diesen Ausdruck. Damit ist grantig also keine Wort- bzw. Wesensbedeutung, die Bayern nur für sich beanspruchen können, obwohl aber eben “der Grantler” etwas betont ausschließlich Bayerisches ist. Man sieht, es kann schnell schwierig werden, die Thematik im Detail auseinander zu differenzieren – so es denn überhaupt möglich ist.

Berühmte Grantler.

Um dem Nicht-Bayern zu erklären, was ein Grantler ist, werden ihm meistens ein paar bekannte Persönlichkeiten genannt, die den typischen Grantler charakterisieren. Ganz vorne steht der Karl Valentin, der aber schon vor so langer Zeit gegrantelt hat, dass viele ihn heute nicht mehr wirklich kennen. Schauspieler Walter Sedlmayr taucht auch immer wieder auf und außerdem Gerhard Polt.

Wobei bei Polt wahrscheinlich ungeklärt ist, ob er den Grantler im Rahmen seines häufig von Zynismus geprägten kabarettistischen Wirkens nur als Figur ausgebaut hat, oder ob er selbst auch wirklich einer ist. Neben seiner medialen Präsenz soll Polt eher öffentlichkeitsscheu und manchmal auch abweisend zu neugierigen Menschen sein, was durchaus für den tatsächlich ihm innewohnenden Grantler spricht. Ist er einer, hat er quasi sich selbst zum Beruf gemacht.

Die Kunst des Grantelns.


Allein in dem Namen liegen weitere Charakterzüge des Grantlers offenbar. Er mosert gerne und häufig, kommt aber nie ganz konkret auf den Punkt, sondern deutet seine Kritikpunkte nur an. Mitunter aber so deutlich, dass betreffenden Personen durchaus klar ist, dass sie und niemand sonst gemeint sind. Das Motzen und Nörgeln in einer manchmal auch stillen und nur beobachtenden, ja sogar musternden Position, ist etwas Urtypisches für den Grantler.

Im Grunde seines Herzens ist er liebenswürdig, es fehlt ihm vielleicht nur lediglich die Fähigkeit, dies zum Ausdruck zu bringen. Der Grantler motzt und provoziert auch manchmal, aber oft halb verdeckt, halb offen und bringt seine Äußerungen auch verbal nicht laut und meistens nicht immer verständlich hervor. Er nuschelt seine Worte gerne in den Bart. Allerdings immer laut genug, damit es die anderen hören können. Und eben auch sollen. Vielleicht will er auch, dass sie nachfragen müssen, weil sie nicht alles verstehen. Der Grantler soll sich auch nie offen streiten und es ist ganz bestimmt eine Kunst für sich, stets an allem und jedem herumzunörgeln, ohne dass man mit ihm direkt aneinandergeraten könnte. Denn dafür bietet er zu wenig Angriffsfläche, was auf ein ausgeprägtes taktisches Geschick hindeutet. Er macht sich eben auch Gedanken und ist nicht willkürlich gegen alles und jeden. Am Ende eines Grants steht ab und zu sogar, ein kleines Schmunzeln, das in vielerlei Hinsicht, den Grant in seiner Authentizität bestätigt und den Grantler zum Grantler macht.

Was Granteln nicht ist.

Insofern ist der Grantler auch nicht mit dem neudeutschen Wutbürger zu verwechseln oder gleichzusetzen. Auch hat er zwar miesepetrige Züge, ist aber kein Pessimist. Das erklärte Ziel des Pessimisten, ob offen eingestanden oder nur im Unterbewusstsein dämmernd, ist es, andere ebenfalls runterzuziehen, zu provozieren, also seine negative Grundhaltung absichtsvoll zu übertragen. Um zu provozieren muss der Pessimist und Schwarzmaler zwangsläufig auch den aktiven Kontakt zu Mitmenschen regelrecht suchen.

Der Grantler zieht sich gerne auch zurück und verbringt Zeit damit, sich die Gedanken zu machen, bis das Bedürfnis wieder groß genug geworden ist, sie abzulassen. Leicht zornige Blicke können ihn dann treffen, ebenso wie wissend grinsende – von jenen, die nicht Ziel seiner kleinen Giftpfeile sind, und die ihn als dazugehöriges und nicht wegzudenkendes Einzelstück ansehen.

Fazit.

Kurzum: Granteln scharf zu definieren ist schwierig. Aber allein der Umstand, dass ausschließlich im bayerischen Dialekt gegrantelt wird, macht den Grantler zum Unikat. Man sagt gar, jeder Bayer sei im Grunde seines Herzens ein Grantler. Deshalb findet man ihn auch nur hier, denn er will aus der Heimat nicht weg. Wie schon einst der Maier Sepp wusste: Überall auf der Welt ist es schön, aber leben kann man nur in Bayern.
Nach dem Motto: Mir san mir und dahoam is dahoam.

Schreibe einen Kommentar