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Das Reinheitsgebot.

Jesus soll ja Wasser in Wein verwandelt haben. Gott sei Dank war das nicht in Bayern.

Das Reinheitsgebot

Hier findet man nämlich: „Wasser wird zum noch edleren Tropfen, mischt man es sauber mit Malz und Hopfen.“ Ich habe das Zitat eines Unbekannten leicht umformuliert. Eigentlich heißt es: „Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.“ Man bemerke bitte den feinen Unterschied. Es geht natürlich um unser sauberes Bier. Dieses ist den meisten Menschen und insbesondere den Bayern heilig. Edel sei der Wein, hilfreich und gut das Bier. Das formuliert auch Reinhard Rinnerthaler, ein österreichischer Buchautor vortrefflich: Bei Durst wirkt immer fabelhaft ein Krug mit kühlem Gerstensaft.

Doch nicht nur gegen den Durst hilft Bier. So manchem hilft es auch gegen den Hunger. Bier ist für viele auch flüssiges Brot. R. W. Emerson, amerikanischer Philosoph und Schriftsteller meinte einmal: „Gott hat die Hefe und den Teig gemacht, und er schätzt die Gärung nicht geringer ein als die Vegetation.“ Wenn unser Ober- oder Untergäriges schon Getränk und Nahrung gleichzeitig ist, so soll es auf jeden Fall besonders rein sein, dachte sich schließlich der Bayer. Und erließ das Reinheitsgebot für Bier. Damit dem täglichen Genuss nichts im Wege stehe. Unser täglich Brot gib uns heute. Oder wenigstens ein reines Bier.

So fand das Reinheitsgebot 1516 in Bayern seinen Ursprung.

Seit 1994 feiern wir am 23. April alljährlich den Tag des reinen Bieres. Damit ehren wir unsere deutschen Biere. Sie werden auch heute noch mit nur wenigen und vor allem natürlichen Zutaten gebraut.Welche das sein sollen, wurde im Reinheitsgebot festgelegt, vor über 500 Jahren bereits. Am 23. April im Jahre 1516. Von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt. Ursprünglich waren es Wasser, Hopfen und Rohgerste. Später dann Wasser, Hopfen und das Malz der Gerste und des Weizens. Noch später kam schließlich die gezielt zugesetzte Hefe dazu.

Nicht von ungefähr nennen wir unsere Biere auch Gerstensaft, Hopfenblütentee oder Hefeweizen. In Bayern ist in Bier nach wie vor nichts Künstliches enthalten. Der traditionsbewusste Bayer hält sich obendrein strikt ans Gebot. In den anderen Bundesländern Deutschlands kann in Bier mittlerweile auch Rohrzucker, Rübenzucker, Stärkezucker oder der Farbstoff Zuckerkulör enthalten sein. Das sind aber alles auch natürliche Sachen. Und all diese Biere dürfen noch den Begriff Reinheitsgebot auf dem Etikett tragen.

Leise kritische Gedanken zum Reinheitsgebot. Man könnte nachbessern.

Vielleicht sollten wir aber doch mal genauer hinsehen. Wir glauben fest an unser Reinheitsgebot und möchten unserem deutschen Bier auch nichts nachsagen. Ohne Zweifel ist es extrem süffig! Doch wie sieht es mit den vier Inhaltsstoffen per se aus in unserem beliebtesten Durststiller? Wie gesund und natürlich sind diese? Da es auch Bio-Bier gibt, fragen wir uns, ob der konventionelle Brauer auch auf die verborgenen Details achtet. Sind in jedem Bier der Hopfen, die Gerste und der Weizen auch an sich rein, also frei allen möglichen künstlichen Pflanzenschutzmitteln und genmanipulierten Sorten?

Und was ist mit dem Herstellungsverfahren, das im Reinheitsgebot nicht geregelt ist. Wie genau gebraut werden soll, steht da nicht. Schauen wir nur einmal das Wasser an. Dieses wird heute aufbereitet, durch Veränderung des Salzgehaltes beispielsweise. Schauen wir die Klärung und Stabilisierung des Bieres an. Heute werden dazu eine ganze Reihe Hilfsstoffe verwendet und das Brauen ist ein umfangreicher technischer Prozess geworden. Vor 500 Jahren gab es all das sicher nicht. Ob die Qualität eines jeden deutschen Bieres gleich rein ist, weil es nur mit den vier Zutaten gebraut wird, die das Reinheitsgebot erlaubt, ist also zumindest fraglich. Sicherlich gibt es in Deutschland höchste Qualitätsstandards. Aber rein ist nicht gleich rein. Sicherlich könnte das Reinheitsgebot hinsichtlich der Güte der vier Zutaten und deren Verarbeitung hinterfragt und verbessert werden.

Striktes Reinheitsgebot versus aufgeweichte Version desselbigen.

Wenn auf dem Bier steht, dass es nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wurde, dann sollte das auch in allen Einzelheiten so sein. Auch wenn wir im internationalen Vergleich sehr gut da stehen, deutsches Bier ist gefragt und wir exportieren etwa 16 Prozent unseres reinen Gestensaftes ins Ausland, importieren wir auch etwa acht Prozent aus aller Welt. An was das liegen mag, nun ja, andere Biere schmecken eben auch ab und zu gut und mit dem einem Bier aus Spanien, Irland oder den USA kann man sich auch einfach mal wieder ein paar Urlaubserinnerungen ins heimische Wohnzimmer holen.

Ein Lob auf Craft-Biere, den Erfindungsreichtum und die Kreativität ihrer Brauer, die in traditioneller Handwerkskunst hergestellt werden. Manches Craft Beer mag vielleicht ein Bisschen zu übertrieben sein und ist nicht Jedermanns Sache, dem Bier an sich tun sie allemal gut. Was die Natürlichkeit anbelangt, sollten wir auf unserem hohen Niveau bleiben. Künstliche Aromen, Farbstoffe, Stabilisatoren, Enzyme, Emulgatoren und Konservierungsstoffe braucht Bier nicht.

Unser Bier soll so schön rein bleiben wie es seit jeher ist, mit einer exakten Deklaration der Inhaltsstoffe, vielleicht sogar noch exakter als bisher. Was auch immer noch passieren mag, worüber wir uns sicher sein können, ist die Tatsache, dass auf jeden Fall der herrlich wohltuende und beruhigende Hopfen mit drin ist. Immerhin haben wir auch in der Hallertau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt.

Nebenbei bemerkt. Hopfen gehört zur Familie der Cannabaceae.

Wenn du Bier trinkst, kannst du auch kiffen. Kleiner Scherz. Aber es ist tatsächlich so, dass die Cannabaceae Hanfgewächse sind. Zur Familie der Cannabaceae gehören neben einigen anderen Gattungen Hanf (Cannabis sativa) und eben Hopfen (Humulus lupulus). Nun gut, der Hopfen enthält kein THC wie Cannabis. Aber ein Rauschmittel wird – wenn wir ehrlich sind – daraus doch hergestellt. Da sagen wir nur: Gott sei Dank dürfen wir unser reines Bier legal trinken. Reinen Gewissens also.

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